Madrid ist das politische, kulturelle und geografische Zentrum Spaniens – eine lebendige Metropole mit mehr als drei Millionen oder sechs Millionen Einwohnern im Großraum. Die Stadt liegt ziemlich genau im Zentrum Spaniens auf etwa 650 m Höhe und gehört damit zu den höchstgelegenen Hauptstädten Europas.
Es hat seinen Ursprung im 9. Jahrhundert. Die Mauren errichteten hier eine befestigte Siedlung namens Mayrit. Strategisch wichtig wegen der Lage am Fluss Manzanares und als Grenzposten. 1083 wurde die Stadt von christlichen Truppen unter Alfons VI. erobert. Trotzdem blieb Madrid lange eher unbedeutend.
Es änderte sich, als 1561 Philipp II. den königlichen Hof hierher verlegte. Plötzlich war es das politische Zentrum eines Weltreichs und Kolonialmacht. Die Folgen waren rasantes Bevölkerungswachstum, Bau von Palästen, Kirchen und Verwaltungsgebäuden sowie Entstehung einer höfischen Kultur.
Diese Zeit gehört zum Goldenen Zeitalter Spaniens.


Bereits um 04:30 Uhr war die Nacht vorbei. Die gepackten Koffer standen auf dem Flur, alle wichtigen Personen waren informiert, dass wir heute etwas länger nach Madrid fahren. Hier in Deutschland war es im Februar schon wärmer gewesen als jetzt. Madrid war abermals ein Ausweichprogramm, obwohl ich immer schon mal dorthin wollte. Die Weltpolitik mit den Kriegen in Nahost und im Westen, sagen wir mal, mit mehreren komplizierten Herrschern ließ nicht viele Möglichkeiten zu. Wenn dieses Jahr die Kanaren nicht diskutiert wurden, lag es auch daran, dass diese gerade einige Unwetter überstanden und derzeit mit Saharastaub zu kämpfen hatten.

Das Timing war großzügig gewählt, weil die Deutsche Bahn immer noch nicht zuverlässig funktioniert. So standen wir längere Zeit bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zuerst an der Bushaltestelle und dann auf dem Bahnsteig in Ulm. Dessen Bahngebäude schon seit Längerem gesperrt und die zeitnahe Fertigstellung mehr als unwahrscheinlich ist.

Es klappte alles hervorragend, sodass wir uns fragten, warum wir nicht knapper geplant hatten. Der Flug von München nach Madrid sollte nur drei Stunden dauern. Für diesen Flug bekamen wir nur noch Plätze in der Business Class, was uns recht war. So konnten wir doch die Lufthansa-Lounge in München nutzen und benötigten keine sonstige Verpflegung.

Unser Flug dauerte tatsächlich nur zwei Stunden. Von dem Zeitgewinn hatten wir jedoch nichts, denn aufgrund eines Streiks des Bodenpersonals am Flughafen Madrid konnten wir zuerst das Flugzeug nicht verlassen und dann dauerte das mit dem Gepäck gefühlt unheimlich lang. Die meisten Türen des Flughafens waren aufgrund des Streiks verschlossen, ich hatte das Gefühl, mich in einem Labyrinth ohne Ausgang zu befinden. Endlich saßen wir in einem Uber-Taxi, das uns zu unserem Appartement in der Nähe des Plaza de Castilla im Norden von Madrid brachte.

Nach dem Einkauf des Notwendigsten im ca. 400 Meter entfernten Supermarkt gab es für jeden eine Pizza, und dann fielen wir nur noch müde ins Bett. Von 04:00 Uhr bis ca. 23:00 Uhr ist zumindest für uns ein sehr langer Tag.


Tiefschlaf bis in den späten Vormittag, das machte aber nichts, in Spanien ist man ohnehin später unterwegs. Nach dem Frühstück wollten wir mit der Linie 10 in die Innenstadt. Geschätzt 11 Haltepunkte bis zur Puerta del Sol, doch bereits nach vier Stationen hieß es aussteigen, mit der nächsten Bahn wieder eine Haltestelle zurück und dort auf die Linie 1 umzusteigen. Bis Ende 2026 hat die Linie 10 in der Mitte der Strecke eine Baustelle. Ich erwähne das, denn für uns war das ein Gewinn. Mit der Linie 1 haben wir eine günstigere Verbindung in die Innenstadt und können je nach Ziel innerhalb auch gut auf die Linie 2 umsteigen. Madrid ist eine Weltstadt, doch verkehrsmäßig ist da noch Potenzial. Keine Durchsage und die meisten Hinweisschilder sind ohne Übersetzung ins Englische. Es ist also oftmals spannend, auf die Auswirkung einer Durchsage zu warten, von der man kein Wort verstanden hat.

Heute am Gründonnerstag überraschten uns die vielen Leute in der Innenstadt. Wir machten uns nicht viele Gedanken dazu und ließen uns einfach treiben. Zielpunkte wie Plaza Mayor oder die Oper wurden so auch ohne Navigator gefunden. Meine zwei Versuche, eine Kirche zu besichtigen, scheiterten, und so bummelten wir weiter, um nach zwei Kaffeepausen wieder nach Hause zu fahren. Wir wollten erst einkaufen und dann nach einer Ruhepause an beliebiger Stelle zu Abend essen. Wir wussten ja, dass man in Spanien erst spät zu Abend isst.

Die Türen des Supermarktes waren verschlossen, und dann fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Heute ist in Spanien ebenfalls ein Feiertag. Eine Recherche im Internet brachte es an den Tag: Wir waren in der Santa Semana angereist, einer für Spanien bedeutungsvollen Woche. Heute, am Gründonnerstag, sind die Kirchen damit beschäftigt, die Karfreitagsprozession vorzubereiten, und sind deshalb großteils geschlossen.

Statt des Supermarkts suchten wir uns ein Restaurant, aßen zu Abend und gingen dann zurück in unser Appartement und machten Pläne für Karfreitag. Eine dieser Prozessionen wollte ich gerne mal sehen.


Obstsalat zum Frühstück, Kaffee und ein bisschen Milch hatten wir ja noch. Danach waren wir mehr als satt. Nun konnten wir erneut in die Innenstadt fahren. Die U-Bahn war proppevoll, und das bereits hier im Außenbezirk. Wir gelangten gut zu den von uns ausgewählten Plätzen. Nur die wenigen nicht bewirtschafteten Sitzplätze waren meist besetzt. So schlenderten wir auf einem anderen Weg vom Puerta del Sol zum Plaza Mayor und hielten uns dort ein wenig unter den Arkaden auf. Bogen in einer der Gassen ab und kamen an weitere, mehr als gut besuchte Plätze. Ja, die Stadt war voll. Wir suchten uns einen Weg zur Catedral de Santa María la Real de la Almudena, um etwas mehr über die Prozessionen und deren Verlauf herauszubekommen. Flyer gab es dort; sie waren auf Spanisch verfasst und wurden deshalb von uns nicht beachtet. Später stellten wir fest, dass wir für die Prozessionen zu früh unterwegs waren.

Nach einer erholsamen Pause in unserem Appartement machten wir uns erneut auf den Weg. Inzwischen war es bereits schwierig, einen Stehplatz in der U-Bahn zu ergattern. Offensichtlich war die ganze Stadt unterwegs ins Zentrum. Die Ausgänge zur Puerta del Sol waren alle gesperrt. Wir mussten mit der Linie 2 zur Oper fahren, um dort an die Oberfläche gelangen zu können. Heute war es hier wirklich voll, überall Besucher und sehr viele Polizisten. Aus dem Internet wussten wir, dass bestimmte Merkmale uns verraten, dass hier eine Prozession entlangkommt. Um etwas zu sehen, sollten wir auf alle Fälle die großen Plätze meiden. Die Hinweise waren: Leute stehen am Straßenrand und schauen in eine bestimmte Richtung, Absperrungen und Polizisten sind ebenfalls zu sehen. Noch sicherer, wenn ein Bereich bereits abgesperrt ist. Wir folgten dem Strom der Menschen durch viele Straßen und Gassen, und dann war da ein Platz mit genau diesen Anzeichen, die Plaza de Santiago. Vor der Real Iglesia Parroquial de Santiago y San Juan Bautista standen bereits viele Leute. Nun hieß es nur noch warten. Knapp eine halbe Stunde später wurde mir mein Wunsch erfüllt, die Prozession zog in unserer Nähe vorbei.

Faszinierend, wie schnell die Menschenmassen in den vielen Gassen wieder verschwunden waren. Auf der Suche nach einem spanischen Restaurant landeten wir doch bei einem Italiener und genossen dessen Art, Pizzen zu machen. Mit der Linie 2 von der Oper bis zur Haltestelle Cuatro Caminos und dann mit der Linie 1 die letzten fünf Stationen. Die Bahn war immer noch voll und entleerte sich nur langsam. Zufrieden kehrten wir heim und verschwanden im Bett.


Eine Besucherin machte mich während des Umzugs auf Folgendes aufmerksam:
Genau an der Stelle, wo heute die Real Iglesia Parroquial de Santiago y San Juan Bautista steht, befand sich einst eine der ältesten Kirchen Madrids. Diese wurde im 19. Jahrhundert zerstört und von dem Architekten Juan Antonio Cuervo wiederaufgebaut. Ihr interessantestes Merkmal ist ihre Lage an der Plaza de Santiago. Hier beginnt der Madrider Abschnitt des weltberühmten Jakobswegs und führt durch die Provinzen Segovia und Valladolid, bevor er sich mit dem Abschnitt des Weges vereint, der als Französische Straße oder Königsstraße bekannt ist und von Roncesvalles und Somport kommt. 


Spät aufgestanden, war unsere erste Unternehmung Einkaufen. Es liegen noch zwei weitere Feiertage vor uns. Und ein kleiner Vorrat an Lebensmitteln erspart uns die Suche nach einem Lokal, wenn wir hungrig sind.

Den Nachmittag verbrachten wir in unserem Appartement. Gegen Abend zogen wir los. Wir wählten eine andere U-Bahn-Station als Ziel aus, um dann von dort in Richtung uns bekannter Straßen oder Plätze zu bummeln. Dies wollten wir auch zukünftig so machen. Heute, am Ostersonntag, war die Innenstadt immer noch voll, und so stiegen wir auf die Linie 2 um und verließen sie an der Oper.

Auch heute soll es noch Umzüge geben, kleinere, weniger spektakuläre. Die Geschäfte hier im Zentrum hatten geöffnet. Wir ließen uns einfach treiben und landeten später auf der Plaza de España. In der Nähe des Monumento a Cervantes fanden wir noch freie Sitzplätze. Beim Weitergehen kamen wir an den Statuen von Don Quijote und seinem Knappen Sancho Panza vorbei. Offensichtlich ein sehr beliebtes Fotomotiv, denn immer wieder blieben Besucher stehen, um ein Bild zu machen.

Wir wollten heute spanisch essen gehen und hatten im Internet das La Mi Venta als ansprechenden Vorschlag gefunden. Es war wirklich gut besucht, und wir mussten eine ganze Weile warten, bis ein Tisch für uns frei wurde. Ich bin immer noch unsicher, wenn ich etwas Typisch Spanisches essen will, und so wählten wir eine Platte mit sechs Tapas. Thomas schmeckte es, mir weniger, ich hielt mich mehr ans Brot. Doch nun wusste ich schon besser, was ich wählen werde: Tapas gehören nur bedingt dazu. Tacos und Enchiladas sind da wohl eher meins.


Die letzten zwei Tage sind ähnlich abgelaufen: Wir sind erst spät aufgestanden, nach dem Frühstück haben wir bis in den Nachmittag in unserem Appartement verbracht und gearbeitet, Thomas zumindest. Danach sind wir losgezogen. Mit der U-Bahn ließen wir uns immer wieder an einen anderen Ort in der Innenstadt bringen und schlenderten dann langsam wieder zurück. Das eine Mal landeten wir so im Parque de El Retiro, verließen diesen in Richtung Puerta de Alcalá und aßen in einem Restaurant an der Gran Vía. Das andere Mal bummelten wir durch Cortes, vorbei an vielen kleinen Geschäften, versuchten es in einem Café und kehrten dann wieder heim.


Madrid macht im 17. Jahrhundert Wirtschaftskrisen durch, verliert an Macht. Sie bleibt zwar Hauptstadt, verliert aber an Glanz. Im 18. Jahrhundert unter den Bourbonen erfolgen große Modernisierungsmaßnahmen. Die Stadt erhält Straßen, Beleuchtung, Infrastruktur. Sie wird „europäischer“. Karl III. wird oft als bester Bürgermeister Madrids bezeichnet.
19. Jahrhundert: Napoleon und Aufstände. Die Bürger Madrids rebellieren gegen Napoleons Besatzung und die Aufstände werden brutal niedergeschlagen. Danach der Beginn des spanischen Unabhängigkeitskriegs und auch die Industrialisierung nimmt langsam Formen an. Im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) blieb die Stadt lange Zeit auf der Seite der Republik. Nach der Belagerung fiel Madrid 1939 schließlich an Francos Truppen. Unter der Diktatur von Francisco Franco ist Madrid das Zentrum. Wirtschaftlich isoliert ändert sich das ab den 1960ern. Mit dem Wirtschaftswachstum folgen Urbanisierung und Modernisierung. Nach dem Tod Francos 1975 wird Spanien eine Demokratie und erhält eine neue Verfassung. Madrid entwickelt sich zur modernen europäischen Metropole.


Über Nacht hatte es geregnet und draußen ist es kühler als die letzten Tage. Der Tagesablauf ist ähnlich dem der Vortage. Am frühen Nachmittag zogen wir los, nachdem wir vergeblich auf die Reinigungskraft gewartet hatten. Jede Woche sollte unser Appartement gereinigt werden, so war es zumindest vereinbart.

Mehr innerhalb als außerhalb der Gebäude war unser Ziel. Die Linie 1 verließen wir an der Station Gran Via und bummelten dort durch die Gassen. Thomas hatte im Internet ein kleines, lohnenswertes Café ausfindig gemacht. Wir fanden Platz am letzten der drei Tische. Mein Café con leche war o. k., muss mich immer noch an die scharfe Röstung gewöhnen, dazu hatte ich einen exzellenten Muffin. Es fiel mir schwer, mich zu beherrschen, hätte das ganze Angebot verschlingen können.

Unser nächstes Ziel war eine Filiale der Kaufhauskette WOW. Das Beeindruckendste für mich an dieser Filiale an der Gran Via war die Skulptur der Kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus auf dem Dach des Gebäudes. Innen waren über viereinhalb Stockwerke Dinge ausgestellt, die für uns wenig interessant waren oder die es nicht annähernd in der passenden Größe gab.

Wieder zurück auf der Gran Vía bummelten wir in Richtung Palacio de Cibeles und bogen in die Calle de Serrano, eine Straße mit vielen Luxusmarken, ab. Wir bewegten uns also vom Zentrum Madrids in Richtung Salamanca. In dem Stadtteil wird das Erleben eines Sonnenuntergangs angepriesen. Heute schien keine Sonne, dafür kündigte sich bei Thomas eine Erkältung an. Es folgte die Besichtigung des Plaza de Colón, eines großen, offenen Platzes, der unter anderem von einem riesigen Denkmal für Christoph Kolumbus und einer riesigen spanischen Flagge dominiert wird. Zu unserer gewohnten und nicht spanischen Zeit gab es einen Burger und danach ging es wieder zurück.

Dieses Mal wurde uns die Linie 9 für die Rückfahrt vorgeschlagen. Der richtige Einstieg war sicherlich andernorts, denn eine lange Strecke, teilweise auf Laufbändern, mussten wir sehr tief unter der Erde bis zur Haltestelle zurücklegen. Auch am Ziel, von dem wir glaubten, es zu kennen, war alles anders. Wir warteten vor einer Fahrstuhltür, wurden jedoch mit einer kleinen (Berg-)Bahn nur eine Etage höher befördert. Hier ging es weiter an die Oberfläche. Herauskamen wir ein ganzes Stück von unserem sonstigen Ausstieg entfernt, mitten auf dem Plaza de Castilla.


Heute sind wir in unserem Stadtviertel geblieben. Thomas hat sich tatsächlich eine Erkältung eingefangen. Nachmittags sind wir für fast zwei Stunden vor die Tür. Mich interessierte der Plaza de Castilla, den wir uns heute angeschaut haben. Die Recherchen dazu aus dem Internet kommen im nächsten Abschnitt. Von da aus gingen wir noch einige Straßen weiter und bogen ab. Auf dem Rückweg kamen wir an edlen Restaurants vorbei und entdeckten den Park Cuarto Depósito, in dem gerade der Flieder blüht.


Auf dem Plaza de Castilla steht das Denkmal für José Calvo Sotelo.
Der spanische Politiker (1893–1936) wollte eine starke, zentrale Staatsmacht, teilweise auch autoritäre Strukturen. Er wurde 1936 ermordet, politisch motiviert. Sein Tod gilt als einer der Auslöser für den Spanischen Bürgerkrieg. Für Francisco Franco war er ein Märtyrer, deshalb bekam er prominente Denkmäler und Plätze. Die Darstellung auf dem Platz mit dem Sprengen der Ketten steht für Befreiung, Widerstand, Opfer. Er war jedoch kein Freiheitskämpfer im demokratischen Sinn,
also sollte es als Propaganda in Stein angesehen werden.
Der Plaza de Castilla ist ein Verkehrsknoten und ein Stadttor nach Norden. Die Paseo de la Castellana zieht sich von hier durch ganz Madrid bis ins Zentrum. Zwei Hochhäuser, die sich sichtbar zueinander neigen, wurden in den 1990ern gebaut und bilden das Puerta de Europa. Sie stehen für ein modernes, wirtschaftliches Madrid, bewusst anders, fast provokativ.
Der Obelisco de la Caja soll Bewegung und Innovation symbolisieren.
So bindet der Platz Vergangenheit und Moderne. Trotzdem ist der Platz weniger zum Verweilen als zum Verbinden gedacht.


Die nächsten Tage haben wir nicht so viel unternommen, Thomas muss erst mal seine Erkältung in den Griff bekommen. Wir machten kleinere Spaziergänge durch das Stadtviertel Chamartín. Entdeckten schöne, aber auch hässliche Orte.
Mehr oder weniger wirkt der Plaza de Castilla wie eine Trennzone auf mich. Wir wohnen auf der nördlichen Seite, die schöneren und auch teureren Geschäfte und Restaurants befinden sich mehr auf der südlichen Seite. Auf unseren kleinen Spaziergängen haben wir immer wieder Ausschau nach möglichen Kandidaten für das Abendessen gehalten. Reine Obst- und Gemüseläden können hier offensichtlich überleben. Ich hätte dort sehr gerne eingekauft, doch so gut ist die Küchenzeile in unserem Appartement nicht ausgestattet. Es scheitert z. B. schon an einer Zitronenpresse, die vorhandene ist wohl mehr für Limetten als für Zitronen.
Auch das Stadion Bernabéu wäre von uns zu Fuß zu erreichen. Vor wenigen Tagen hatte Manuel Neuer beim Spiel Real gegen Bayern eine Top-Leistung gezeigt. Hier, wo der Druck durch Fans und Gegner extrem hoch ist, sind solche Leistungen besonders beeindruckend.
Während wir in unserem Appartement planten, was wir uns als Nächstes anschauen könnten, entstand der nächste Abschnitt.


Weitere zwei Tage Urlaub sind verstrichen und Thomas befindet sich langsam auf dem Weg der Besserung. Es ging ihm nicht so schlecht, dass wir nichts hätten unternehmen können, doch in Madrid war erneut die Tagestemperatur unter 15 °C gesunken. Wir haben kleinere Spaziergänge durch unseren und den angrenzenden Stadtteil gemacht und dabei einige Lokale entdeckt, die wir wohl die nächsten Tage für ein Abendessen aufsuchen werden. Sogar am Sonntag ist hier im Außenbezirk von Madrid viel los auf den Straßen. Dies wird sicherlich unterstützt, dass einige Läden geöffnet haben. Dies ist wohl für die Brotversorgung wichtig, da das Stangenweißbrot bereits einen Tag später steinhart ist.


Chamartín zeigt ziemlich gut, wie Madrid gewachsen ist: nicht geplant wie Paris, sondern durch „Einsammeln“ von Dörfern. Es war ein kleines Dorf nördlich von Madrid mit Feldern, Höfen und wenigen hundert Einwohnern, teilweise mit Landgütern wohlhabender Madrider. Es war klar getrennt von der Stadt. In weniger als 100 Jahren komplett transformiert, erst Dorf, dann Vorort, als Nächstes eingemeindet, urbanisiert und modernisiert.
Es ist auch kein einheitliches Viertel, sondern ein Mosaik aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Wer sich hier bewegt, durchquert gewissermaßen verschiedene Epochen der Stadtentwicklung. Den Anfang dieser „Zeitreise“ bildet El Viso. Mit seinen Villen, der niedrigen Bebauung und der ruhigen Atmosphäre erinnert es noch am ehesten an das frühere Vorstadtleben. Es entstand für wohlhabende Schichten und bewahrt bis heute etwas von diesem exklusiven, beinahe abgeschlossenen Charakter. Ganz anders wirkt Ciudad Jardín, das bewusst als „Gartenstadt“ geplant wurde. Mit seinen Grünflächen und der lockeren Struktur ist es ein Gegenentwurf zur dichten Großstadt. Hier spürt man noch eine Idee von Ruhe und Nähe zur Natur, fast ein dörflicher Anklang mitten in der Metropole. Mit Prosperidad beginnt der Übergang zur eigentlichen Großstadt. Die Bebauung wird dichter, Wohnblocks prägen das Bild, und das Viertel wirkt lebendiger und weniger elitär. Es steht für das Wachstum Madrids, als immer mehr Menschen in die Stadt drängten und Wohnraum gebraucht wurde. Darauf folgt Hispanoamérica, ein typisches Produkt der 1950er und 60er Jahre, also der Zeit unter Francisco Franco. Die Architektur ist funktional, die Straßen sind geordneter, die Wohnlagen bewegen sich im mittleren bis gehobenen Bereich. Hier zeigt sich, wie politische Rahmenbedingungen auch den Städtebau prägen. Mit Nueva España wird die Stadt deutlich moderner und geschäftiger. Wohnen und Büros mischen sich, große Verkehrsachsen bestimmen die Struktur. Das Viertel markiert den Übergang zur heutigen, dynamischen Metropole. Schließlich erreicht man Castilla, den Bereich rund um die Plaza de Castilla. Hier zeigt sich das „neue Madrid“ in seiner deutlichsten Form, in der Hochhäuser, Verkehr und Infrastruktur das Bild prägen. Es ist die Gegenwart der Stadt, funktional, großstädtisch und stark auf Bewegung ausgelegt. So werden die sechs Bezirke von Chamartín zu einer Art Zeitachse – daran lässt sich im Kleinen nachvollziehen, wie sich Wohnideen verändern, wie politische Systeme – etwa in der Franco-Zeit – den Städtebau beeinflussen und wie aus einem Dorf Schritt für Schritt eine Metropole wird. Es ist so gesehen eine kleine Landkarte der Entwicklung Madrids.


Für heute waren 28 °C und Sonnenschein angekündigt und wir stiegen mal wieder in die U-Bahn. Die Linie 1 brachte uns zum Cuatro Caminos und mit der Linie 6 weiter bis zur Station Príncipe Pío. Diese Linie bewegt sich ebenfalls sehr weit unter der Erde, und wir hofften am Ziel, ausreichend Rolltreppen oder Lifte vorzufinden. Tageslicht überraschte uns an diesem Bahnhof, von dem aus man auch auf Regionalzüge umsteigen kann. Im Gegensatz zu Castilla war es hier im Zentrum von Madrid schon deutlich wärmer und wir waren froh, dass wir keine weiteren Kleidungsstücke mitgenommen hatten.
Vom Bahnhof aus bewegten wir uns in Richtung Palacio Real und genossen den Frühling in der Gartenanlage Campo del Moro auf der Rückseite des Palastes.
Von da aus gingen wir weiter zum Fluss Manzanares. Der Fluss spielte damals bei der Wahl, Madrid zur Hauptstadt zu machen, keine wesentliche Rolle. Für König Philipp II war der Manzanares ein praktischer Faktor. Auch wenn er klein ist, lieferte er Wasser für Stadt und Umgebung. Der Fluss wurde früher oft belächelt. Der beste Fluss ist der, den man überqueren kann, ohne nass zu werden.
Wir spazierten am Manzanares entlang, und erfuhren erst später, dass das ganze Gebiet in den vergangenen Jahren als Naherholungsgebiet umgebaut worden war, Projektname „Madrid Río“. Früher war hier eine Stadtautobahn.
In der Nähe der ältesten Brücke von Madrid Puente de Segovia gab es eine Kaffeepause. Es war viel los: Jogger, Skater und Biker begleiteten uns Spaziergänger. Auch die Fauna am Fluss bot einiges, wir sahen Nilgänse und grüne Papageien. Direkt am Ufer machten uns andere Besucher auf Schildkröten aufmerksam, als ich gerade dabei war, über die Foto-App einen Zweighaufen als Nest auszuschließen.
Wir verließen bei der Brücke Puente de Toledo den Fluss und stiegen an der Haltestelle Marqués de Vadillo in die U-Bahn. In direkter Nachbarschaft zu unserem Appartement liegt Sanabowls. Von hier holten wir uns zwei Bowls (Poke Tuna Forever). Mehr schafften unsere Beine nicht mehr.


Heute setzten wir unseren Spaziergang von gestern fort. Wir wechselten jedoch das Ufer, die linke Uferseite flussabwärts erschien uns reizvoller. Die Fertigstellung dieses Bereiches müsste aber schon ein paar Jahre zurückliegen. Trotzdem war es für die Anwohner sicherlich ein Gewinn, statt einer lauten Stadtautobahn jetzt ein Naherholungsgebiet vor der Tür zu haben. Die Ersteller des Parks haben jedenfalls an ausreichend hauptsächlich Fußgängerbrücken gedacht.


Die Sonne lockte uns immer wieder aus unserem Appartement, nur zu berichten gibt es kaum etwas. Weiterhin fahren wir mit der U‑Bahn in die Innenstadt und bummeln durch die Straßen. Dabei suchen wir Ziele auf, die wir bisher aufgrund des hohen Besucheransturms gemieden haben. Dazu gehört unter anderem der Mercado de San Miguel. Wie immer ein Besuchermagnet, doch dieses Mal konnten wir fast ungehindert die Auslagen betrachten. Churros mit dicker Schokoladensoße erinnern uns an alte Zeiten.
Damals hatten wir in Tarifa große Träume. Als digitale Nomaden Reisen und Arbeiten miteinander verbinden, wie damals in Tarifa, so wollten wir viele Orte auf der Welt besuchen. Wir hatten auch einige kennengelernt, die das schon machten. Für uns kam aber nur noch Bali dazu.
Die Churros hatten wir von der Chocolatería San Ginés, die, wie wir im Nachhinein feststellen durften, hier einige Läden unterhält. Sie waren lecker, doch empfehlen können wir den Ort nicht, er ist echte Touristen-Massenabfertigung mit „genervtem“ Personal. Draußen in unserem Stadtteil Chamartín ist auch sehr viel los, doch das Personal deutlich freundlicher. Wie heute Abend: Endlich gab es mal wieder Sushi und Platz für Erdbeeren mit Pfeffer war auch noch.


Erneut wanderten wir heute los. Richtig, erst mal keine U-Bahn, das heutige Ziel konnten wir gut zu Fuß erreichen. Die Strecke führte uns in Richtung Plaza de Castilla. Kurz davor mussten wir links abbiegen und dann nur noch geradeaus weiter bis zum Stadion Bernabéu. Erneut kamen wir an schicken Restaurants vorbei, die jetzt am frühen Freitagnachmittag gut besucht waren. Ich hatte nicht gedacht, dass ich Thomas überzeugen konnte, dass wir uns das mal von außen anschauen sollten. Richtige Fußballfans sind wir beide nicht. Aus unserer Richtung sah es aus, als wäre das Stadion, viel zu groß, zwischen die Häuserreihen gepresst worden. Nun ja, wir näherten uns auch von hinten. Von vorn sah das schon ganz anders aus. Der Platz war auch jetzt gut gefüllt mit Fans und Besuchern. Wir ließen das Gebäude auf uns wirken, schauten dann kurz in das darin befindliche Restaurant und den Fan-Shop.
Anschließend gingen wir noch ein Stück weiter und gönnten uns in einem der vielen Restaurants einen Kaffee. Als wir beim Weitergehen in Richtung Zentrum an einer Bushaltestelle vorbeikamen, hielt dort gerade ein Bus mit Ziel Plaza de Castilla. also nutzen wir ihn, um wieder heimzukommen.


Die Lufthansa kündigte an, dass sie die Flüge ihrer Tochter CityLine nicht erst zum Jahresende, sondern ab sofort einstellt. Als Hauptgrund wurde Kerosinmangel angegeben. Das bescherte uns eine unruhige Nacht, denn wir hatten mit dieser Linie Hin- und Rückflug von Madrid gebucht. Heute gegen Mittag sah Thomas auf der Internetseite der Lufthansa, dass unser Rückflug von einer anderen Linie der Lufthansa bedient wird. Ganz beruhigt sind wir trotzdem nicht, bis zu unserem Abflug kann noch viel passieren.
Beim Blick aus dem Schlafzimmerfenster sehe ich immer zwischen zwei und sechs Katzen in dem zum Gebäude gehörigen Park herumstreichen. Sie werden auch gefüttert, doch leider nicht regelmäßig. Für uns und die möglichen anderen Bewohner der unteren Etage ist der Zugang verwehrt, ich kann also nicht aktiv in die Fütterung eingreifen, vielleicht besser so. Zu Hause warten auch zwei auf uns.
Etwas Aufregung zu Beginn der heutigen U-Bahn-Fahrt: Den Einstieg zur Linie 9 an der Plaza de Castilla kannten wir inzwischen. Mit dieser U-Bahn wollten wir zur Station Núñez de Balbao. Mit Erreichen des Bahnsteigs kam auch schon die Bahn, also nichts wie hinein. Es waren sogar ausreichend Sitzplätze vorhanden. Hm, ein Blick nach oben sollte uns Gewissheit geben, dass wir in die richtige Richtung fahren. Doch da oben waren nur die Haltestellen der Linie 10 gelistet. Also doch in der falschen Bahn, beim Verlassen überlegten wir angestrengt, an welcher Stelle wir falsch abgebogen sein könnten. Wir schauten nicht auf die Anzeigen auf dem Bahnsteig, sondern stürmten hinauf, um die nächste Bahn zurück zum Ausgangspunkt zu erreichen. Was war das? Eine Anzeige an der Wand zeigte auf unseren Bahnsteig, von dem wir gerade kamen. Sollten wir doch richtig gewesen sein? Erst die zweite Passantin konnte uns auf Englisch Auskunft geben. Ja, wir haben in der richtigen Bahn gesessen und wir können von der gleichen Stelle mit der nächsten Bahn weiterfahren. Die verschiedenen Züge der U-Bahn werden auch auf anderen Strecken eingesetzt. Es ist also nichts Ungewöhnliches, auf der Strecke 9 mit einem Zug zu fahren, der für eine andere Strecke ausgezeichnet ist.
Am selben Tag gegen Abend wollten wir Paella essen und anschließend im Stadtteil Chueca das Nachtleben von Madrid miterleben. Die Innenstadt ist nach 21:00 Uhr so voll, wie tagsüber an Ostern. Die Richtung bestimmen, das übernahmen andere, wir ließen uns einfach nur treiben. Es ist also auch nicht verwunderlich, dass wir für die Paella lange nach einem Sitzplatz gesucht haben. Anschließend hatten wir beim Besuch verschiedener Kneipen keinen Erfolg.


Immer wieder trieb es uns bei diesem schönen, sonnigen und warmen Wetter ins Zentrum von Madrid und da waren wir besonders am Wochenende nicht allein. Zu bestimmten Uhrzeiten konnte man in den U-Bahnen nicht umfallen, ist doch eine gute Auslastung. Wie wir im Internet lesen konnten, sollen dieses Jahr trotzdem die Preise um fast 30 % angehoben werden. Mit Bezug auf überfüllte Bahnen haben wir nicht herausgefunden, von wann bis wann das ist. In der Zeit zwischen 14:00 und 18:00 Uhr ist verstärkt damit zu rechnen.
Ansonsten hat sich an unserem Programm nicht viel geändert. Wir machen uns am frühen Nachmittag auf den Weg. Die letzten Male bestimmten auch Cafés unser Ziel. Beim anschließenden Bummeln durch die Stadt landeten wir zufällig oder gezielt an der Station Gran Vía.


Unsere Zeit in Madrid ist fast vorbei. Gestern waren wir wieder in einem Café in der Innenstadt und bummelten durch Straßen mit wunderschönen Hausfassaden. Überlegten uns bei dem einen oder anderen Objekt, wie ruhig es wohl ganz oben ist und ob die oberste Wohnung einem Penthouse ähnelt. Sollte tatsächlich bei einem dieser Objekte eine Wohnung verkauft werden, könnten wir uns die sicherlich nicht leisten, das verrieten uns die ausgehängten Anzeigen der Makler, an denen wir vorbeikamen.
Im Parque de El Retiro gönnten wir uns ein Eis, genossen im Schatten die Ruhe, schlenderten noch eine ganze Weile hin und her, schauten Inlinern und Skatern bei ihren Kunststücken zu und stiegen dieses Mal für die Heimfahrt bei der Station Ibiza in die Linie 9. Einige Zeit später gab es unweit unserer Unterbringung für den einen Spaghetti Carbonara und für den anderen einen Hamburger.


Über das Internet haben wir herausbekommen, wo es in Madrid die besten Tacos el Pastor gibt. Doch zuvor schauten wir uns die morgige Strecke zum Flughafen Terminal 2 an. Die Karte für die U-Bahn 8 muss mit einer Fahrt und einer zusätzlichen Gebühr geladen sein, letzteres kann man aber nur am selben Tag auf die Karte buchen. Die Strecke für uns ist mit Rolltreppen und Lift gut zu meistern, wir müssen auch nur einmal an der Station Colombia von der 9 auf die 8 umsteigen.
Nun ging es in die Stadt. Erneut schlenderten wir durch den Stadtteil Chueca, doch reizvoller sind die Straßen vom Plaza de Santa Bárbara dorthin und danach über die Gran Vía zum Mexikaner Taquería Mi Ciudad, in der Calle Hileras. Wir waren in der ersten Woche schon einmal in diesem Bereich unterwegs, hatten den Mexikaner aber nicht entdeckt. Am Nachmittag essen wohl nur die Touristen Tacos, denn wir waren die einzigen Gäste. Das waren sie, die Tacos, die wir gesucht haben. Sie schmeckten wie in Mexiko, am liebsten wären wir gleich wieder dorthin gefahren.
Natürlich probierten wir auch Pastéis de Nata, waren fast drei Wochen drumherumgeschlichen. Auch Pastel de Belém genannt, ist ein Blätterteigtörtchen mit Konditorcreme, das vermutlich bereits vor dem 18. Jahrhundert von den Mönchen des Mosteiro dos Jerónimos in Belém, heute ein Stadtteil Lissabons, hergestellt wurde. (Wikipedia)
Nun gab es nur noch eins: Nach dem Kofferpacken ging es zum Mercado de San Leopoldo in unserer Nachbarschaft. Bei einem der Stände stehen ebenfalls Tacos el Pastor auf der Speisekarte. Die waren aber längst nicht so gut. Viel besser waren hier Tacos Norteño, das Rindfleisch darauf war richtig zart und saftig.