Perth

Fortsetzung von Queensland & New South Wales

Heute Morgen waren wir nicht allein am Frühstückstisch. Ein Ehepaar aus der Nähe von Sydney machte Urlaub an der Sunshine Coast. Ihre Eltern sind damals nach Australien eingewandert und auch er ist Sohn von Einwanderern aus Europa. Nach dem Austausch von mehreren gemeinsamen Zielen stellte sich heraus, dass sie als Australier noch nie in Perth gewesen sind. Dafür waren sie aber schon einmal in Bayern, Sie sind begeistert von der großen Auswahl an Brot in Deutschland. Ihr Favorit ist jedoch in Japan. Klar, dass wir viele Fragen hatten, weil Japan ganz oben auf unserer Zielliste steht. Außerdem konnten sie es nicht glauben, dass wir bis jetzt noch keine Kängurus gesehen hatten, und empfahlen uns, wie andere vor ihnen, es in der Nähe von Golfplätzen zu versuchen.

Roberto hatte uns auch heute mit einem besonderen Frühstück überrascht. Tarte hat es Renate genannt, für mich war es mehr eine Blätterteigrolle, gefüllt mit Eiern, Gemüse und Frischkäse. Auch der knusprige Bacon fehlte nicht. 

Nach herzlicher Verabschiedung von Roberto – Renate brachte gerade die Tochter zur Schule – machten wir uns auf den Weg zum Flughafen nach Brisbane. Extreme Hitze war für dieses Gebiet als Wetterwarnung ausgerufen worden. Unser Inlandsflug (VA470) ist für 16:45 Uhr angekündigt. Am Flughafen war unser Leihwagen von Europcar schnell zurückgegeben. Wir ließen uns Zeit, bevor wir die üblichen Kontrollen passierten, waren aber trotzdem zwei Stunden vor Abflug an unserem Gate.

Von hier aus hatten wir eine gute Sicht auf das Rollfeld und konnten schon früh die Wetterveränderung beobachten. Das Gewitter verhinderte jegliche Flugaktivitäten am Flughafen für mindestens eine Stunde. Wir selbst mussten dadurch ebenfalls eine Verzögerung von drei Stunden in Kauf nehmen. Virginia Airlines sorgte für ein Unterhaltungsprogramm und ließ uns zweimal das Gate wechseln. Dabei begegneten uns die Schweizer von unserem Ausflug auf K’gari, die nach Sydney wollten und ebenfalls ein anderes Gate aufsuchen mussten.

Auf dem Flug gab es für uns nur Wasser zu trinken, alles andere musste man dazukaufen. Keine Kissen oder Decken, das Unterhaltungsprogramm war nur nutzbar mit eigenen Geräten über das WLAN des Flugzeugs. Die Passagiere der niedrigsten Klasse, in über 30 Reihen à sechs Sitzplätzen untergebracht, hatten nur zwei Toiletten zur Verfügung. Die anderen beiden Toiletten durften von den sieben Mitreisenden der höheren Klasse genutzt werden. Das wurde streng überwacht!

Mit mehr als drei Stunden Verspätung landeten wir in Perth. Entgegen der Reisebeschreibung war die Rezeption unseres Hotels auch über Nacht besetzt. Nach einer Fahrt mit Uber vom Flughafen zum Hotel gab es nur noch eines: schlafen.

Hyden

Eine Fahrt von 328 km lag vor uns, und so wollten wir nach 09:00 Uhr unser Leihfahrzeug bei Europcar am Flughafen von Perth abholen. Leider war das Fahrzeug von Umfulana für 11:00 Uhr gebucht worden und stand somit erst dann zur Verfügung. Die Wartezeit nutzten wir dort für ein ausgedehntes Frühstück.

Nach der Wagenübernahme ging es in ein Einkaufszentrum. Thomas hat seinen Telefonanbieter geändert. Danach haben wir bei ALDI Wasser gekauft und etwas zum Knabbern.

Auf der Strecke von Perth nach Hyden zum Wave Rock fuhren wir vorbei an bis zum Horizont reichenden Feldern und Weideland. Die Schafherden wie auch später die Rinderherden entsprachen den Erzählungen: Sie waren riesig. Bei einigen Schafsherden waren die Tiere bereits geschoren, bei anderen noch nicht. Dabei wurde uns bewusst, dass wir entlang stark gerodeter Agrarlandschaften mit viel Getreideanbau (Weizen und Gerste) fuhren. Auch die Weiden werden hier intensiv genutzt.

Im Weiteren fielen uns Zäune auf, die entlang der Straße verliefen. Breite Straßenränder, die teilweise kahl sind, dienen vorwiegend dem Brandschutz, doch dadurch werden auch Wildtiere von der Straße ferngehalten. Dieses Gebiet gehört zu den am stärksten modifizierten Landschaften Australiens.

Das historische Zentrum von York war für uns hier eine willkommene Abwechslung auf der Strecke.

Das Outback bezeichnet das riesige, dünn besiedelte und oft wilde Landesinnere, eine Region abseits der Küstenstädte, geprägt von Wüsten, Steppen und unendlicher Weite. Es steht symbolisch für Abgeschiedenheit, unberührte Natur und extreme Landschaften, die von rotem Sand bis zu tropischem Regenwald reichen können. Im Outback sind Insekten eine Plage, das bekamen wir bei jedem Verlassen des Wagens zu spüren, und das trotz Insektenspray. Als ich mir auf der Strecke die Tiere an einer Wassertränke, eigentlich mehr ein kleiner See, anschauen wollte, wurde ich sofort von einem Insekt unter dem linken Auge gestochen oder gebissen. Eine sofortige Hitzebehandlung der Einstichstelle hat leider nicht den gewünschten Effekt. Nun laufe ich erst mal mit einer starken Schwellung unter dem Auge herum. Ärgerlich, denn die Tiere an der Tränke waren viele geschorene Schafe. Mir ist nicht bekannt, ob hier auch Ziegen in so großen Herden gehalten werden, den Halt hätte ich mir also sparen können.

Zäune haben in Western Australia (WA) eine eigene Geschichte: Ursprünglich als Rabbit-Proof-Fence wurden zwischen 1901 und 1907 drei große Zäune errichtet, um Kaninchen aus landwirtschaftlich genutzten Gebieten fernzuhalten. In den 1950er Jahren wurden Teile des Zauns aufgewertet, um nicht nur Kaninchen, sondern auch Emus, Dingos und andere Tiere zu kontrollieren. Heute wird der Zaun vom Department of Primary Industries and Regional Development (DPIRD) in WA als „Staats-Barrierezaun“ betrieben. Entsprechende Informationen fanden wir in der Unterkunft in Hyden. Der Zaun soll noch ausgebaut werden, um die Aufgabe noch effektiver zu erfüllen. Umweltorganisationen kritisieren den Zaun als „Festung“ gegen heimische Tierarten: Durch die Barriere wird die natürliche Bewegung von Tieren eingeschränkt, was ökologische Konsequenzen hat.

Nach 17:00 Uhr erreichten wir Wave Rock. Hier überfielen uns ebenfalls die Insekten, trotz Insektenspray. Wir machten also nur ein paar Bilder und flüchteten zurück in den Wagen.

Wir fuhren nach Hyden und verschwanden in unserer für heute gebuchten Unterbringung. Diese haben wir nur noch für das Abendessen, es gab Fish and Chips, verlassen. Hier wurde uns erstmals bewusst, dass wir bisher in diesem Teil Australiens noch keine Bestellung am Tisch aufgeben konnten. Auch bezahlt wurde am Tresen.

Ursprünglich wollte ich in der Dämmerung nach Kängurus Ausschau halten. Der Insektenstich unter dem linken Auge schwoll weiter an und so verschwand ich im Bett und hoffte auf den nächsten Morgen.

Esperance

Heute Morgen war es eher schlimmer geworden mit dem Stich unter dem linken Auge, doch hier in Hyden ließ sich daran nicht viel ändern. Also ab mit den Koffern in den Wagen und zum Frühstück beim nahegelegenen Bäcker. Thomas sein Wunsch nach einem annehmbaren Flat White wurde hier sogar erfüllt.

Auf der Fahrt Richtung Süden nach Esperance begegneten uns wesentlich mehr Lastwagen als auf der Strecke von Perth nach Hyden. Der Name Road Train ist für die Lastwagen mit gleich großem Anhänger zutreffender. Vorn mit massivem Cowcatcher ausgestattet, sahen wir sie noch öfter mit zwei Anhängern. Diese Gespanne können 42 Meter lang sein und sie donnern mit 110 km/h dahin. Die Strecke nach Hyden sowie unsere heutige Strecke war geteert, doch bereits beim Abbiegen landet man auf den bekannten Sandstrecken des Outbacks.

Thomas hatte zwei Unterbrechungen in die heutige Fahrt eingebaut. Zuerst bogen wir ab auf den Causeway. Diese Straße führt durch ein Gebiet mit vielen Salzseen. ohne ihn wäre besonders bei den wechselnden Wasserständen der Durchgang durch diese Landschaft schwierig.

Damit verbindet er Straßen Richtung Ost-Westaustralien und erleichtert Verkehr und Erreichbarkeit. Der Name Lake King bezeichnete ursprünglich einen der Salzseen. Dort entstand die heutige Stadt Lake King.

Die zweite Unterbrechung war die Besichtigung eines Kunstwerks. In Ravensthorpe sind drei riesige Silos mit dem Wandbild Six Stages of Banksia baxteri bemalt. Das Kunstwerk zeigt die verschiedenen Stadien der Blüte der endemischen Pflanze und auch Bestäuber wie dem Honey Possum und dem New Holland Honeyeater. Das Kunstwerk ist Teil des Public Silo Trail. Seit 2015 wurden große Getreidesilos und andere industrielle Strukturen in ländlichen Regionen Westaustraliens zu riesigen Wandbildern umgestaltet.

Am frühen Nachmittag erreichten wir unsere jetzige Unterbringung. Zuvor hatten wir telefonisch den Code für den Schlüsselsafe erfragt. Die vereinbarte SMS hat uns jedenfalls nicht erreicht. Wir hatten in Esperance ein Haus unweit der Küste für uns allein. Doch die in den Unterlagen angegebene Spülmaschine fehlte. Nach dem Starten der Waschmaschine fuhren wir einkaufen und die gewohnte Pause gab es auch erst, nachdem wir ein Stück am Strand entlang spaziert waren.

Meine linke Gesichthälfte war inzwischen weiter angeschwollen und wir fuhren erst mal zum Krankenhaus. Hier wurde mir geraten, bevor es zu den Kosten von über  500 A$ kommt, mir in einer Apotheke ein Antihistaminikum zu besorgen, um damit die Schwellung einzugrenzen. Gesagt, getan. Ich wollte nur noch etwas zu Abend essen und verschwand dann im Bett.


Heute hieß es früh aufstehen, um vor dem heutigen Ausflug noch gemütlich frühstücken zu können. Leider ist der Abholort in den Reiseunterlagen von Umfulana verwirrend angegeben. Einmal wird unsere Unterbringung genannt, an anderer Stelle ist ein Büro in Esperance genannt. Wir haben also vor unserem Haus gewartet, und als der Termin 07:45 Uhr verstrich, sind wir zur Büroadresse gefahren. Hier fanden wir jedoch nur ein Friseurgeschäft vor, das um diese Zeit natürlich noch geschlossen hatte. Endlich konnte Thomas jemanden telefonisch erreichen. Das Büro war vor längerem verlegt worden, trotzdem wurden wir hier abgeholt. 

Im Wagen befanden sich mit der Fahrerin bereits fünf Personen. Der Wagen hatte aber noch zwei Reservesitze, auf die eine Mitfahrerin und ich verbannt wurden. Beim darauffolgenden Stopp tauschte ich mit einer anderen Teilnehmerin den Platz, denn sie war deutlich kleiner als ich. Also saß ich wieder hinten in der Mitte. Dieses Mal war das aber ein, wenn auch sehr schmaler, Sitzplatz. Thomas hatte weniger Glück, der Mitfahrer auf dem Beifahrersitz war genauso groß, und Thomas saß eingeklemmt dahinter.

An der Le Grand Beach durften wir riesige Felsen auf dem weißen Strand begutachten. Wieder im Wagen fuhr unser Guide genau auf einen der Felsen zu. Über den hatten wir uns zuvor unterhalten, weil auf ihm Reifenspuren zu erkennen waren. Keiner von uns ahnte, dass auch wir mit dem Wagen den 82 Meter hohen Felsen „erklommen“. Eine Fahrt, die jede Runde mit der Achterbahn in den Schatten stellt. Aus dieser Höhe hatte man einen herrlichen Ausblick und das Farbenspiel des Ozeans war traumhaft. Auch sichteten wir mehrere Delphinschwärme.

Wieder unten angekommen ging es vorbei an Feldern mit Schaf- und Rinderherden weiter zum Cape Le Grand National Park. Die Mengen an Kängurus und Emus, die uns zu Beginn der Tour versprochen worden waren, befanden sich gerade anderswo, nur ein Emu begleitete uns ein kurzes Stück.

Vorbei am Frenchman Peak spazierten wir auf dem weißen Sand von Hellfire Bay und bewunderten das türkisfarbene Wasser. An der Lucky Bay Beach gab es einen kleinen Imbiss, doch der war plötzlich nicht mehr wichtig. Ein Känguru mit einem Jungen suchte am Strand nach Fressbarem und ließ sich lange Zeit von den Strandbesuchern nicht stören. Als einige jedoch direkt zu den Tieren hinliefen, haben sie sich ins Gebüsch, das den Strand säumte, zurückgezogen.

Nach dem Ausflug besorgten wir uns noch die notwendigen Dinge für unser nächstes Frühstück und legten dann die gewohnte Pause ein. Den Abend beschlossen wir mit einem Essen im The Quarters, das zwar teuer, aber nichts Besonderes war.


Nach dem Frühstück wurde erneut die Waschmaschine bestückt. Anschließend gab es leckeren Flat White am Strand. Der umgebaute Schiffscontainer trug den Namen Cats Coffee, doch Katzen konnte ich keine entdecken.

Unweit führte ein langer Steg hinaus aufs Meer. Früher wurde dieser kommerziell genutzt, wie wir den verschiedenen Tafeln entnehmen konnten, doch heute begrüßt die steife Brise, die hier weht, nur noch Angler und Touristen.

Der geruhsame Tag klang aus mit einem Besuch in der Lucky Bay Brewery. Offenes Feuer wärmte uns, während wir eine Auswahl an Bier probierten und Pizza verspeisten.

Bremer Bay

Der Vermieter, den wir nie zu Gesicht bekamen, hatte uns wissen lassen, dass wir die Unterbringung nur aufgeräumt verlassen dürfen. Das gebrauchte Geschirr musste abgespült sein und der angesammelte Müll in die Tonne vor dem Haus, ansonsten würde es uns in Rechnung gestellt. Nun ja, wir hatten die Wahl.

Und da saßen wir wieder im Auto auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel. Es ging wieder zurück nach Ravensthorpe und dann weiter nach Bremer Bay.

Auf der Fahrt sind uns immer wieder auffällige Kennzeichnungen von Einfahrten aufgefallen. Die Kennzeichnung mit einer ausrangierten Mikrowelle war mir ein Foto wert.

Pausen gab es nur eine auf der Strecke. In Ravensthorpe fotografierten wir die andere Seite der bemalten Silos. Die hatten wir beim ersten Besuch nicht beachtet. Zuvor hatten wir an einer Tankstelle eine Kaffeepause eingelegt. Thomas hatte herausbekommen, dass hier ein Siebträger im Einsatz ist.

Am frühen Nachmittag erreichten wir in Bremer Bay die drei Rundbauten unserer heutigen Gastgeber. Die Gastgeberin begrüßte uns, doch kaum hatten wir etwas gesagt, hieß es von ihr, wir können auch Deutsch reden. Mit ihrem südafrikanischen Mann war sie, aus Frankfurt am Main stammend, vor anderthalb Jahren hier gestrandet. Sie haben die drei Lehmbauten eigenhändig hochgezogen. Gegenwärtig ist Pause, doch da ist noch Platz für …

Ungewöhnlich, nicht nur die Form der Häuser, sondern auch, weil in Australien nicht so viel Wert auf Dämmung gelegt wird. Auch die Fenster mit Isolierglasscheiben trugen dazu bei, dass wir trotz 12 °C nächtlicher Außentemperatur es in unserem Haus bei über 20 °C ohne Heizung aushalten konnten. Ausführlich nannte sie uns Ausflugsziele in der näheren und weiteren Umgebung, doch wir machten nur einen kleinen Spaziergang und genossen dann den herrlichen Ausblick von unserer Terrasse.

Unweit davon versorgte ein Känguru sein Junges und Papageien machten in den Bäumen ordentlich Lärm. Nach einer Stunde Entspannung bewegten wir uns zum Brauhaus der Bremer Bay Brewing Company. Bei Livemusik probierten wir das heimische Bier und Burger. Ersteres war mit Abstand das Bessere.


Nach dem Frühstück ging es erst einmal zum einzigen Laden des Ortes. Die Küche in unserer Unterbringung hatte eine bessere Ausstattung, als die Reisebeschreibung vermuten ließ. Trotzdem besorgten wir uns nur ein Toastbrot und ein Glas Marmelade.

Das Orca Café liegt unweit von der John Cove Beach. Diesen und zwei weitere Strände waren unsere heutigen Ausflugsziele. Das „Anhänger-Café“ verwöhnte uns mit einem leckeren Flat White. Nach dem Spaziergang und erstem Wasserkontakt an der John Cove Beach ging es zum Blossom Beach und zum Schluss zum Short Beach. Alle wirklich traumhaft.

Den Nachmittag verbrachte ich auf unserer Terrasse und beobachtete das Känguru mit seinem Jungen auf der anderen Straßenseite, das sich durch meine Anwesenheit nicht stören ließ.

Fürs Abendessen marschierten wir dieses Mal zum Bremer Bay Resort. Das immer noch gut besuchte Restaurant schmirgelte für uns zwei Steaks mit Pommes. Um uns herum tobten die Kinder durch das Gelände, während die Eltern sich ebenfalls prächtig unterhielten. Wieder zurück gab es vor dem Schlafengehen ein XXXX. Dieses Bier hatten wir schon öfter.

Kalgan

Mit einem Flat White vom Orca Café an der John Cove Beach wollten wir heute Morgen starten. Doch der Platz war leer. Das Café öffnet vor sieben, behauptet Google, heute wohl nicht, schade. Also schauten wir noch einmal um die Ecke auf den fantastischen Strand und machten uns dann auf den Weg nach Kalgan. Es war eine lange Strecke, die vor uns lag, und so hatten wir auch keine Unterbrechungen eingeplant. Die Majuba Country Lodge lag in einer ländlichen Gegend von Albany. Wir waren erneut zu früh dran und fuhren erst einmal zur Naked Bean Coffee Roaster in Albany und gönnten uns einen großen Flat White. Außerdem konnte ich einer kleinen Himbeertart nicht widerstehen.

Inzwischen war es nach 14:00 Uhr und so hofften wir, dass wir gleich auf unser Zimmer könnten. Dem war leider nicht so. Der Eigentümer empfing uns knurrig mit den Worten, dass das Zimmer noch nicht fertig wäre. Seine Frau kam einlenkend aus dem Haus, bot uns einen Sitzplatz unter einem riesigen Baum vor dem Haus an und schickte ihren Mann los, das Zimmer fertig zu machen.

Zwischendurch kam er vorbei und brachte uns Wasser. Jetzt war er gesprächiger. Er erzählte, dass er aus Namibia stamme und viele Jahre in Oldenburg und Stade in Deutschland gelebt habe. Bedauerlicherweise gibt es hier für ihn nur selten die Möglichkeit, Deutsch zu sprechen. Seit 17 Jahren ist er nun in Australien und seit 2020 Besitzer dieser Country Lodge. Wenig später durften wir auf unser Zimmer. Jetzt war der Mann wieder so knurrig wie zuvor, er erklärte uns den Code des Schlüsselsafes. Bestand darauf, dass wir den Zimmerschlüssel beim Verlassen nicht mitnehmen, sondern in dem Safe verwahren.

Das Haus und der Garten sind wunderschön angelegt, der größere Teil des riesigen Grundstücks war zwei Pferden vorbehalten, die immer wieder ihre Kreise um den kleinen See in der Mitte dieses Teils des Grundstücks zogen. In der Mitte dieses Sees tummelten sich Enten, die jedoch bisweilen von Schwarzkopfkibissen vertrieben wurden. In der Ferne, auf der anderen Seite einer Bucht, lag Albany. Nachdem wir uns Platz in dem mit Kissen und anderer Dekoration ausgefüllten Zimmer geschafft hatten, gönnten wir uns eine Pause.

Ich musste noch mal den Hausherrn sprechen, weil uns kein WLAN-Passwort genannt worden war und wir auch den Schlüsselsafe nicht aufbekamen. Er fühlte sich offensichtlich von mir gestört, nannte mir den Code und bezüglich des Passworts sollten wir in unseren Mails nachschauen, das wüsste er so nicht. Schloss die Haustür, das war’s. Wir hatten den richtigen Code, doch der Safe ließ sich von uns nicht öffnen. Am Abend fuhren wir erneut nach Albany und aßen im Lime303 zu Abend. Bevor wir es mit Fisch und Chips versuchten, probierten wir die heimischen Austern. Sie waren deutlich kleiner, aber wirklich sehr lecker. Als wir in der Dämmerung zur Lodge zurückfuhren, entdeckten wir unweit von der Lodge Kängurus am Straßenrand.


Das Frühstück war mehr als kläglich. Wir hatten eine Kapselmaschine für Espressi. Vier Zuckertütchen entdeckte ich unter den Kapseln. Eine kleine Flasche Milch war im Kühlschrank, aber keine Möglichkeit, diese zu erwärmen. Zwei Croissants und zwei kleine süße Teilchen, sowie eine Platte mit vier Scheiben Schinken und Wurst. Vier kleine Becher Joghurt waren die Krönung des »Designer«-Frühstücks. Die zwei Butterstücke à 10 Gramm sah ich mehr als Deko an. Wir hatten gestern schon einen Blick in den Kühlschrank gewagt und uns sicherheitshalber Früchte, Marmelade, Butter und Toastbrot in Albany besorgt. In der kleinen Küchenzeile gab es nicht einmal ein Spülbecken, geschweige denn einen Toaster oder Wasserkocher, dafür aber ein Schild, dass wir sparsam mit dem Wasser umgehen sollten.

Den Granite Skywalk hatten wir uns heute als Ausflugsziel ausgesucht. Obwohl wir erst nach 10:00 Uhr unser Auto auf dem kostenpflichtigen Parkplatz abstellten und es offensichtlich ein heißer Tag werden sollte, waren wir nicht allein. Uns kamen zwar eine Menge Besucher entgegen, die die Aussichtsplattform in den kühlen Morgenstunden bestiegen haben, doch nach uns folgten noch einige. Der Wald mit den vielen riesigen Kari-Bäumen war traumhaft. Umgestürzte Bäume blieben einfach liegen und verotteten langsam. Bäume, die auf dem Wanderweg lagen, hatte man nur so weit zerteilt, dass der Weg frei war. Auf zweieinhalb Kilometern erklommen wir 250 Höhenmeter. Wir wurden mit einem fantastischen Ausblick belohnt.

Den eigentlichen Granite Skywalk erklomm Thomas jedoch allein. Das Erklimmen der Felsbrocken und das anschließende Überwinden einer Leiter traute ich mir nicht zu. Nachdem wir wieder den Parkplatz erreichten, sprach uns ein Ehepaar an, ob sich der Weg hinauf lohne. Als sie feststellten, dass wir auch Deutsche waren, verrieten sie uns, dass sie bereits das sechste Mal in Australien sind und dieses Mal den Kontinent von Nord nach Süd mit einem geliehenen Camper durchquert haben. Sie kommen aus der Nähe von Tübingen und bezeichneten sich als australiensüchtig.

Vor dem Betreten unseres Zimmers entdeckten wir in der Nähe des Teichs eine Gruppe Kängurus. Glücklich, zufrieden und geschafft fielen wir aufs Bett. Nach einer längeren Erholungspause ging es wieder nach Albany. Dieses Mal hatten wir uns das Little Italy Restaurant ausgesucht. Dessen Pasta war ein Traum. Im Anschluss wollten wir auf unserer kleinen Terrasse noch ein Bier vor dem Schlafengehen genießen, doch die Massen an Fliegen haben es uns verleidet.


In der Nacht hatte es geregnet, Wasser stand auf unserem Glastisch auf der Terrasse. Am Vortag waren die Betten nicht gemacht worden und auch unser Frühstücksgeschirr durften wir im Waschbecken im Badezimmer selbst abwaschen. Klar, dass wir auch den Terrassentisch trockenlegen müssen, wenn wir darauf frühstücken wollen. In mir stieg immer mehr Groll auf, Thomas sah das nicht so ernst.

Heute war ein kühler Tag und der Regen hat wohl die Kängurus auf den unteren Teil des Grundstücks gelockt. Mindestens 15 Tiere tummelten sich dort. Der gestrige Aufstieg steckte noch in unseren Knochen, also waren wir hauptsächlich mit dem Auto unterwegs. Nach einem Flat White in der Naked Bean Coffee Roaster stellten wir den Wagen auf dem Parkplatz eines Supermarktes ab und schlenderten ein wenig durch das Zentrum von Albany hinunter zur Bucht. Dabei entdeckten wir weitere Silos, die mit einem Kunstwerk verziert wurden. Anschließend wurde eingekauft.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen Abstecher zum Bayonett Head Lookout. Belohnt wurden wir mit einem Ausblick über die Bucht, an der Albany liegt. Kurz vor dem Verlassen des Aussichtspunktes stieg unmittelbar vor uns ein Pelikan auf. Kein Flügelschlag, er ließ sich vom Aufwind einfach nach oben tragen.

Für das Abendessen fuhren wir ins Garrison Restaurant & Bar, in direkter Nachbarschaft des Princess Royal Fortress Military Museum. Das kleine Restaurant war gut besucht, doch wir ergatterten auch noch zwei Plätze. Der Blick von hier oben war leider vernebelt. Bereits bei der Auffahrt sahen wir den Dunst über das Wasser ziehen. Der Kellner, der uns bediente, ist Italiener und seit vierzehn Tagen in diesem Restaurant tätig. Er hat eine dreijährige Arbeitserlaubnis und will sich so Australien ansehen. Das jetzige Arbeitsverhältnis endet im April 26, dann zieht er weiter. Wohin, noch nicht entschieden. Wir genossen ein leckeres Steak mit dazu passendem Rotwein. Auch auf dieser Heimfahrt entdeckten wir etliche Kängurus in Straßennähe.

Pemberton

Von unseren Gastgebern ließ sich keiner blicken, als wir nach dem Frühstück ohne Kaffee die Koffer packten. Das Zimmer hatten wir, soweit wir uns erinnern konnten, in den ursprünglich „vollgestopften“ Zustand versetzt. Bevor wir jedoch weiterfuhren, machten wir noch einen Abstecher zu einem nahgelegenen Strand. Weil wir dieses Mal das Grundstück in die andere Richtung verließen, sahen wir mehr von den benachbarten Häusern. Nur wenige hatten einen See auf ihrem Grundstück, doch groß waren sie alle. Es war also für uns nicht überraschend, dass sich auch hier Kängurus tummelten.

Noch einmal zur Tankstelle kurz vor Albany, dann aber hieß es: rechts abbiegen Richtung Pemberton. Unterwegs machten wir in Walepole an einem Steg Halt. Diesen beanspruchten die Möwen für sich und entfernten sich nur widerwillig. Auch eine Gruppe junger Radfahrer machte hier mit ihrem Guide eine Pause. Die Bucht, auf die der Steg hinausführte, soll eine gute Stelle zur Walbeobachtung sein, doch nicht im Dezember.

Auf der Weiterfahrt wurde die Straße immer schmäler und es ging immer bergauf und bergab. Es waren nicht viele Fahrzeuge unterwegs, doch wenn wir mal eins überholen mussten, war es schwierig. Wir konnten zwar weit schauen, doch in den Senken verbargen sich oftmals entgegenkommende Autos. Thomas hatte auf der Strecke in Denmark das Ravens Coffee entdeckt, das seinen Ansprüchen genügte. Mit einem Flat White im Bauch fuhren wir auf kurvenreicher Straße durch ein nicht endenwollendes Waldgebiet mit Karri und anderen Bäumen. Das änderte sich erst wieder kurz vor unserem heutigen Ziel.

Pemperton war ein Ort mit ca. 700 Einwohnern, durch den eine breite Straße führte, an dem fast alle wichtigen Geschäfte und Einrichtungen lagen. Wie wir später erfuhren, hat das örtliche Sägewerk hier schon vor Jahren den Betrieb eingestellt, und so leben die Einwohner von der Landwirtschaft und den Touristen. Die meisten der Häuser benötigten dringend Farbe, einige sogar noch mehr.

Desto überraschter waren wir, als wir vor unserer Lodge standen. Es war eine von dreien und gehörte zu dem danebenliegenden Jaspers Bar Restaurant. „Da hat jemand richtig Geld in die Hand genommen“, rutschte Thomas raus. Die Eigentümer bekamen wir zwar nicht zu Gesicht, doch es war alles wie beschrieben.

Nach einer längeren Pause hofften wir, im Jaspers noch einen Tisch zu bekommen. Wir hatten zwar per SMS reserviert, doch nie eine Bestätigung erhalten. Auch die Inneneinrichtung und die Speise- und Getränkekarte überraschten uns. Klein, gemütlich und sehr freundliches Personal. Nach einem Burger für Thomas und einem Barramundi für mich machten wir, bevor wir in unserer Lodge verschwanden, noch einen Spaziergang durch den Ort.


Nach einem Frühstück, bei dem auch wieder der Kaffee fehlte, weil die Kapselmaschine nicht funktionierte, marschierten wir zum Treffpunkt. Der heutige Ausflug führte in den unweit entfernten Nationalpark, und obwohl die Teilnehmerzahl größer war, hatte jeder einen bequemen Platz im Toyota HiAce, einem geländegängigen Kleinbus.

Der Warren Yeagarup National Park umfasst etwa 3131 Hektar und ist bekannt für seine alten Karri-Bäume (Eucalyptus diversicolor). Einige dieser Bäume werden bis zu 90 Meter hoch und gehören damit zu den weltweit höchsten Laubbäumen. Unter dem dichten Kronendach ist Platz für kleine Bäume, Farne, Wildblumen, und an feuchten Stellen findet man auch Pilze und Moose. Der Park, durch den sich der Warren River schlängelt, ist ein Beispiel für intakten Karriwald in Westaustralien: alt, hoch, wertvoll. Unser Guide zeigte uns den abwechselnden Baumbestand innerhalb des Waldes. Jarrah (Eucalyptus marginata) sind oft zusammen mit Marri (Corymbia calophylla). Tiefgründige, nährstoffreichere Böden mit ausreichend Feuchtigkeit begünstigen Karri-Wälder. Auf weniger fruchtbaren oder trockeneren Böden gedeihen Jarrah und Marri besser. Vögel bekamen wir keine zu sehen, doch sie waren zu hören. Zu gern hätte ich den hier lebenden Baudins black cockatoo oder Purple‑crowned lorikeet gesehen oder gar fotografiert.

Nach einer kurzen Pause, die unser Guide dazu nutzte, in den Reifen des Fahrzeugs die Luft zu veringern, ging es in die an den Wald anschließenden Dünen. Unbeschreibliche Ausblicke boten sich uns. Die Dünen sind nur teilweise bewachsen und wandern jährlich an verschiedenen Stellen etwa fünf Meter in den Wald. Dabei werden Bäume, die mal verschüttet waren, auch wieder freigelegt.

Unsere Fahrt ging anschließend weiter zum Strand. Die Dünen waren hier stärker bewachsen. Ein Emu überquerte unsere Fahrspur und verschwand wieder. Und dann war er da, der unbeschreiblich lange Strand mit einer tollen Dünung. Wieder jagte das Fahrzeug über den festen Sand dahin. Hier am Strand waren wir ganz allein. Bei der Mündung des Warren River ins Meer durften wir aussteigen. Die Mündung des Flusses verlagert sich immer wieder. Steile Sandwände zeigen an, wo er mal entlanggeflossen ist. Während wir so über den festen Sand herumliefen, fanden wir immer wieder Plastikteile, sogar ein kleines Spielzeugauto war dabei. Hier liegt niemand am Strand und lässt seinen Müll zurück. Die Verseuchung der Meere veranlasst die Anwohner, den angespülten Müll vom Strand zu entfernen, und das immer häufiger. Wenn es gut läuft, fährt unser Guide mit Besuchern zweimal täglich diese Strecke. Dabei sieht er die Veränderung und auch die Verschmutzung. Wieder zurück über die Dünen an den Waldrand gab es noch einen Imbiss, bevor es zurück nach Pemperton ging.

Tief beeindruckt vom Erlebten machten wir erst einmal eine Pause. Bevor wir wieder ins Jaspers gingen, stöberten wir in den Regalen des einzigen Supermarktes des Ortes und kauften ein wenig für das Frühstück ein. Leider hatte auch diese Küchenzeile keinen Herd, somit mussten wir weiterhin auf Eier verzichten.

Für das Abendessen wählte Thomas Schweinerippchen und ich Lammkeule. Dessert wurde das gleiche wie am Abend zuvor, Sticky Date Pudding. Wie erwartet alles ein Genuss. Fishbowl, doppelter Ginshot mit entsprechendem Tonic, hatten wir uns für heute Abend vorgenommen, es wurde aber nur ein normaler Gin Tonic für Thomas. Mit meiner Wahl, einem Cocktail namens Moscow Mule, war ich nicht so glücklich, der Ginger kratzte zu sehr im Hals.

Yallingup

180 km hatten wir heute zu fahren, wir konnten uns also Zeit lassen. Nach dem Frühstück verließen wir Pemberton und fuhren ein Stück der bekannten Waldstrecke zurück. Mit Erreichen der Hauptstrecke hatten wir auf kerzengerader Straße die von uns so geliebte Sicht über weite das Land. Nur eine Unterbrechung war für heute geplant. Busselton war im Reiseplan für später eingeplant, aber aus einem unbekannten Grund interessierte uns der Ort. Auf der Fahrt dorthin diskutierten wir, wie der Name des Ortes wohl ausgesprochen würde.

Busselton lag an der Küste zum Indischen Ozean und seine Hauptattraktion laut Unterlagen war ein ins Meer hinausreichender Steg, an dessen Ende sich das Underwater Observatory befindet. Dieses ist zu Fuß oder mit einer Bimmelbahn zu erreichen.

Zuvor genehmigten wir uns im Obison Coffee Roasters einen Flat White. Dazu probierte ich eine Donut-Brezel. Die Form war ungewöhnlich, der Teig glich dem der Apfelberliner, wie ich sie aus Norddeutschland kannte.

Als wir endlich von dem überfüllten Parkplatz herunter waren wollten wir zur Küste und uns den Strand und den Steg und möglicherweise, abhängig vom Eintrittspreis, das Observatorium anschauen. Oh weh, hier versuchten einige Wagen vor uns, eine Parklücke zu finden. Parkplätze gab es hier einige, doch überall kreisten Autos. Auch wir fuhren einige Runden mit, bis wir Glück am Straßenrand hatten. Radfahrer, die auffällig teure Carbonrennräder schoben, wurden meist von einer kleinen Gruppe von Leuten begleitet. Ein Blick ins Internet klärte uns auf. Morgen finden hier der Ironman bzw. die Ironwoman statt. Klar, dass neben den ganzen unterstützenden Firmen auch heute schon viele Interessierte und Fans angereist waren.

Auch der Steg war überfüllt und die Bahn fuhr gerade nicht. Wir haben den Abstecher zum Unterwasserobservatorium gestrichen und sind stattdessen etwas abseits an dem wunderschönen Strand spazieren gegangen. Schlauchboote, die riesige Luftsäcke aufs Meer hinausbrachten, waren gerade dabei, die Schwimmstrecke von 3,8 km für die Triathleten zu kennzeichnen. Für die Teilnehmer folgen 180 km mit dem Rad und danach 42 km Laufen.

Hinter dem Deich standen einige Traumhäuser, die bisweilen den dahinterliegenden älteren Häusern den Blick aufs Meer versperrten.

Wieder zurück in der Nähe des Stegs hatte die Besucherzahl weiter zugenommen und auf den Parkplätzen kreisten immer noch Autos. Für uns wurde es Zeit, zur Unterkunft zu fahren. Ein Fahrer davon war sicherlich froh, dass wir unseren Parkplatz wieder freigaben.

Das Retreat Yala Yallingup liegt auf einem kleinen Weingut in der Gegend um Yallingup.

Unsere Lodge war umgeben von Natur, außerdem gab es hier die Möglichkeit, zu saunieren.

Nach der gewohnten Ruhepause fuhren wir zur unweit gelegenen Bailey Brewing Company und genossen das heimische Bier. Thomas wollte unbedingt etwas Thailändisches essen, mir genügten Schweinerippchen ohne weitere Zutaten, doch sehr lecker.


Auch im Frühstückssaal bot sich eine Aussicht auf die umliegenden Felder. Nach dem reichhaltigen Frühstück starteten wir mit unserem heutigen Ausflug.

Erstes Ziel war Augusta, von da aus ging es auf der Küstenstraße in Etappen wieder zurück. Die Fahrt nach Augusta führte uns vorbei an unzähligen Weingütern, auch Olivenplantagen säumten die Straße. Am westlichsten Punkt von Australien steht das Cape Leeuwin Lighthouse. Von hier aus kann man sicherlich gut Wale beobachten.

Für 12:30 Uhr hatte uns Thomas zur Teilnahme an einer Führung durch die Jewel Cave angemeldet. Es war somit genug Zeit, um zuvor im Deckchair in Augusta einen Flat White zu genießen.

Die größte Höhle im Westen Australiens hat einiges zu bieten. Auf teilweise sehr schmalen Treppen und Stegen ging es tief hinein in die Höhle. Faszinierende Stalaktiten und Stalagmiten ähnelten manchmal einem Blumenkohl oder Brokkoli, einer Schildkröte, einem Maul mit langen Zähnen, manche sahen auch ein Brautkleid. Der Guide wusste uns Besucher zu unterhalten. Eine Stunde später sahen wir wieder Tageslicht.

Wir setzten unsere Fahrt fort, nächstes Ziel die Margaret-River-Mündung in den Indischen Ozean. Zwischen Ozean und River liefen wir ein Stück am weißen Sandstrand entlang und beobachteten die Surfer. Eine Einmündung konnten wir nicht entdecken, der Fluss versickert wohl im Sand. Schilder warnten davor, den Lauf des Flusses zu verändern. Dies würde die Fische im Fluss bedrohen.

Hoch über dem Strand genossen wir erneut einen Flat White und teilten uns eine Pizza.

Es folgte die Rückfahrt zu unserer Lodge. Wir hatten zwar noch ein Ausflugsziel auf der Agenda, doch es war schon nach 16:00 Uhr. Auch Busselton und die Ironman-Veranstaltung wären noch möglich gewesen, aber auf volle Straßen und Parkplätze hatten wir keine Lust. Wer weiß, ob wir überhaupt einen der Teilnehmer zu Gesicht bekommen hätten.

Nach einer kurzen Pause entschieden wir uns im The Pour House in Dunsborough für heimisches Bier. Nach der Pizza war der Hunger nicht so groß, mir reichte Hähnchenschnitzel auf Gemüsebett, und Thomas ein Burger.

Fremantle

Es hieß mal wieder Abschied nehmen. Bei einem schönen Platz wie diesem fällt uns das besonders schwer. Nach gutem Kaffee und leckerem Frühstück wurden die Koffer verstaut und dann ging es erneut nach Busselton.

Der Ironman war zwar vorbei, doch hier wurde immer noch gefeiert. Der Strandbereich war inzwischen für die Touristen geräumt, davon gab es mit uns mehr als genug. Sportler entdeckte ich keine mehr, dafür aber Unmengen an Fans, leicht an den Papiertüten mit Merchandising-Artikeln zu erkennen. Einen Milchshake im Bauch zogen wir weiter. 

Nordwestlich von Busselton stand auf einer Landzunge ein Leuchtturm. Doch den Ausflug dorthin hätten wir, wie bereits am Vortag geschehen, streichen können. Der Zugang zum Leuchtturm war gesperrt. Der Weg, der als Rundweg markiert ist, führte weit um den Leuchtturm herum. Büsche versperrten meist die Sicht auf den Indischen Ozean und gaben nur stellenweise einen Blick auf den Leuchtturm frei. Nach einem Drittel des Weges, der dann auch nicht mehr befestigt und mit größeren Steinen übersät war, kehrten wir zum Auto zurück.

Ohne weitere Unterbrechung fuhren wir nach Fremantle, dem südlichsten Stadtteil von Perth. Hier war in einem ehemaligen Gefängnis eine Unterbringung für uns reserviert. Je näher wir der Hauptstadt von Western Australia kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Kurz bevor wir in Richtung Fremantle die Autobahn verließen, ging es nur noch im Schneckentempo vorwärts. Zwei Überraschungen bot die Autobahn in Richtung Perth: 1. Kreisverkehre für die die Autobahn kreuzenden Straßen. 2. Der breite Mittelstreifen verbreiterte sich später noch mehr und Strommasten kündigten an, was dann auch geschah. Züge kamen aus einem „Erdloch“ und fuhren in Richtung Perth oder verschwanden in diesem. 

Fremantle wurde 1829 von britischen Siedlern als Teil der Swan-River-Kolonie gegründet und war von Anfang an der Hafen von Perth und damit das „Tor zur Welt“ für Westaustralien. Perth selbst liegt ca. 19 km landeinwärts am Swan River. Zwischen 1850 und 1868 kamen über 9000 britische Sträflinge hierher. Sie bauten Straßen, öffentliche Gebäude und das berühmte Fremantle Prison (UNESCO-Welterbe). Der wuchtige Bau wurde zum berüchtigtsten Gefängnis des Britischen Empires.

Nach 14:00 Uhr stellten wir unser Auto auf dem Parkplatz vor dem Gebäude ab, in dem wir unsere Unterbringung vermuteten. Das dazugehörige Hotel wurde nicht so schnell gefunden, weil sich entgegen der Tourbeschreibung hier einiges verändert hatte. Uns wurde bestätigt, dass wir das Auto gut abgegestellt haben. Mit ’ner Schlüsselkarte erhielten wir Zugang zu 21G, G wie Groundfloor. Die ursprünglichen Räume waren kaum verändert, jedoch an den heutigen Standard angepasst worden. In der Küchenzeile dominierten zwei Zapfhähne: Aus beiden kam gekühltes Trinkwasser, einmal gesprudelt, einmal still. 

Nach der notwendigen Ruhepause besichtigten wir die nähere Umgebung und bewegten uns dabei in Richtung Hafen. In den Fremantle Town Hall (ehemaligen Lagerhallen) befanden sich mehrere Restaurants. In einem davon verdrückte jeder von uns zu heimischem Bier eine Pizza. Dabei beobachteten wir den Schiffsverkehr im Hafengebiet. Bevor es heimging, suchten wir noch das Fährterminal, von dem wir morgen nach Rottnest Island gebracht werden. Direkt neben unserer Unterbringung, im selben Gebäude, ist die Gimlet Bar. Die Einrichtung versetzt dich in die Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts. Wir bestellten zwei heimische Gin Tonic und bekamen Gin aus Fremantle serviert. „Geht aufs Haus“, meinte der Barkeeper, als er erfuhr, dass wir nebenan wohnten. Gut, beschlossen wir, dann kommen wir morgen wieder.


Rottnest Island, auf diesen Ausflug habe ich mich besonders gefreut. Die Cat-Fähre verließ gegen 09:45 Uhr den Hafen. Zuvor hatten wir ausreichend Zeit für ein Frühstück in den Räumen des Hotels. Auf der Insel erhielten wir Fahrräder, die die besten Zeiten schon lange hinter sich hatten. E-Scooter und E-Bike wären auch möglich gewesen, schade. 

Erwartet hatte ich eine unbewohnte Insel, auf der sich aufgrund ihrer Größe die Besucher gut verteilten. Das Gegenteil war der Fall: Unsere Fähre war nicht die erste und längst nicht die letzte, die hier Menschenmassen auf die Insel brachte. Die Insel selbst ist hügelig und wird auch mit Bussen befahren. Somit wurden wir nicht nur von E-Bikes, E‑Scootern und Radfahrern auf besseren Bikes überholt, auch Busse brachten die Fußgänger von einem Besichtigungspunkt zum anderen. Einsame Buchten und traumhafte Strände gab es hier trotzdem sicherlich genug. Dazu hätten wir aber zu Fuß weiterziehen müssen.

Wir waren aber aus einem ganz anderen Grund auf der Insel: Ich wollte endlich Quokkas in ihrer natürlichen Umgebung sehen. Die Hälfte der Strecke um die Insel herum hatten wir hinter uns, als Thomas unter einem Busch einen entdeckte. Gott, sind die klein, ich hatte nach größeren Tieren Ausschau gehalten. Und scheu sind sie auch nicht, das ist wohl den vielen Besuchern geschuldet, die täglich hier ihre Runde drehen. Unter dem Busch waren noch weitere Tiere und bald waren wir mit unserer Entdeckung nicht mehr allein. 

Wieder auf dem Fahrrad verließen wir die Küstenstraße und durchquerten die Insel, vorbei an Seen, die wohl nur durch Regenwasser gespeist wurden.

Mit Erreichen des Fähranlegers erhöhte sich nicht nur die Anzahl der Besucher deutlich, hier gab es auch viel mehr Quokkas. Das Fütterungsverbot wurde wohl eingehalten, zumindest beobachtete ich nichts Gegenteiliges. Doch hier gab es einige Restaurationen, und so mancher Quokka sprang auch mal auf einen niedrigen Tisch, um übrig gebliebenes Essen zu fressen.

Für ein Selfie mit einem der vielen Quokkas, die hier zwischen  den Besuchern herumliefen, schmiss sich so mancher Besucher unmittelbar vor einem auf die Straße. Es bestand zwar auch ein Berührungsverbot, doch dass dieses nicht eingehalten wurde, konnte ich leider immer wieder beobachten.

Kurz vor dem Verlassen der Insel entdeckte ich auf einem übergroßen Surfbrett eine Gedenkschrift. Der Inhalt war schockierend für mich.

Von 1838 bis 1931 war Rottnest Island die größte Inhaftierungsstätte für indigene Männer in Australien. Etwa 3700 Aborigine-Männer aus ganz Westaustralien wurden dort gefangen gehalten. Sie wurden oft ohne Gerichtsverfahren inhaftiert – wegen kleinster „Vergehen“. Zellen für bis zu 140 Männer gleichzeitig. Überbelegung, kaum Hygiene, wenig Licht, Zwangsarbeit, schlechte Ernährung, Krankheiten, harte Disziplin. Gefangene kamen aus ganz Western Australia, oft tausende Kilometer von ihren Heimatgebieten entfernt. Mindestens 370 Männer starben auf der Insel. Die Toten wurden in unmarkierten Gräbern verscharrt.

Für die Noongar-Aborigines hieß die Insel Wadjemup – „Ort über dem Wasser“. 1696 nannte der Niederländer Willem de Vlamingh die Insel Rattennest, er hielt Quokkas für große Ratten. Ein Hinweis für die Anerkennung der Vergangenheit ist die Nennung des traditionellen Namens Wadjemup neben Rottnest Island.

Schon auf der Hinfahrt stand ich an Oberdeck der Fähre und genoss die Fahrt. Auf der Rückfahrt hatte ich bedauerlicherweise einen ungünstigeren Platz. Die See war rauer als auf der Hinfahrt und so kam häufiger Gischt übers Boot. Mit nassem Oberhemd verließ ich die Fähre und hüpfte erst einmal unter die Dusche. Thomas hatte unter Deck zwar den stärkeren Wellengang mitbekommen, war wie erwartet trocken geblieben. 

Abendessen gab es in der direkten Nachbarschaft. In anderen Räumen des ehemaligen Gefängnisses gab es das Emily Taylor Bar & Kitchen mit feiner asiatischer Küche. Thomas entschied sich für Massaman-Curry und ich genoss das von der Kellnerin empfohlene Charred Masterstock Beef Cheek LGO. Erneut gönnten wir uns unterschiedliche Gin Tonic in der benachbarten Gimlet-Bar. Leider hatte der nette Barkeeper vom Vorabend heute frei. Trotzdem fehlte mir nach dem Genuss wie am Vorabend der notwendige Antrieb, das Geschehene festzuhalten.


In den frühen Morgenstunden, als ich noch in Morphus Armen lag, recherchierte Thomas bereits, was wir heute anstellen könnten. Nach dem Frühstück ging es mit der Bahn von Endstation zu Endstation. Also von Fremantle nach Perth. Wir stiegen direkt im Zentrum der Stadt aus und wanderten am Apple-Store vorbei, nicht ohne einen Blick hineinzuwerfen in den Hafenbereich. Perth liegt landeinwärts am Swan River. Dort verbrachten wir einige Zeit.

Für die Beschäftigten in den umliegenden Geschäften und Banken war Mittagspause und einige trafen sich hier zur Lunchtime. Anschließend bummelten wir durch das Zentrum, gönnten uns auf einer Parkbank Sushi und anderswo einen Milchshake. Dann saßen wir wieder im Zug und fuhren die Strecke zurück. Die Schüler eines Colleges hatten Schulschluss, dementsprechend laut ging es in unserem Waggon zu. Zum letzten Mal folgte unsere gewohnte Pause und dann gab es Pizza als Abendessen. Als wir wieder zur Gimpet Bar kamen, sahen wir erneut einen anderen Barkeeper am Tresen und beschlossen, heute der Bar keinen Besuch abzustatten. Nur noch eine Übernachtung, wir sollten uns also reisefertig machen. Das Flugzeug hebt morgen erst um 22:20 Uhr vom Flughafen Perth ab, also wurde das Kofferpacken verschoben.


Erst das letzte Frühstück, danach Kofferpacken, anschließend Auschecken – das Ende unserer Australienreise stand unmittelbar bevor – wir wollten hier aber nicht weg. Die Sonne verdarb uns unseren Besuch der Weinplantagen im Tal des Swan Rivers. Das Thermometer stieg dort auf 34 °C. Thomas hatte sich einige Ziele ausgewählt, die wir, solange wir den Mietwagen noch hatten, anfahren wollten.

Das erste Ziel bot mehr Schokolade als Wein. Es gab hier zwei verschiedene Etiketten auf den Weinflaschen: 1. Name des Weins, aber keine Angaben zu den verwendeten Trauben. 2. Der Flascheninhalt unterschied sich von den anderen, laienhaft ausgedrückt, insoweit, als dass der Wein gemäß Etikett alkoholfrei ist. Also doch die Schokoladen-Abteilung. In diesen Hallen befanden sich wesentlich mehr Besucher. Dies lag nicht allein an dem darin befindlichen Café. Auf dem Tresen neben dem Eingang standen zwei riesige Schüsseln, in der einen befanden sich weiße und in der anderen braune Schokoladenchips. Die Besucher durften hier unkontrolliert zugreifen. Wir taten es auch. Die Regale in dieser Halle waren gefüllt mit Produkten, die teilweise oder ganz aus Schokolade bestanden. Kleine Schokoladen-Wombats hatten es mir angetan, hätten sich sicherlich zu Weihnachten gut als Tischdekoration gemacht. Nur die Ungewissheit, ob die Wombats nach dem langen Flug noch als solche zu erkennen seien, hielt mich davon ab, welche mitzunehmen. Aber im Café bestellten wir uns eine Tasse Schokolade, leider war sie nur lauwarm.

Wir versuchten es noch mit einem weiteren Weingut, doch hier war nur ein Aufenthalt im Freien möglich. Überall wurden Weinproben angeboten, dafür war es uns zu früh.

Wir brachen die Tour ab und fuhren stattdessen an die Küste. Auch hier war es heiß, doch hier war es auch windig. Ideales Wetter für Kitesurfer: Sie flitzten über das Wasser und zeigten ihr Können. Vereinzelt trainierte hier auch ein Foil-Surfer. Direkt an dem traumhaften Strand gab es keinen Schatten, also zogen wir uns in die Schattenbereiche des hier gelegenen Klubhauses zurück. Auf den Tischen des dazugehörigen Cafés stehen kleine elektrisch betriebene Vertikal-Propeller, diese sollen die Fliegen von den Speisen fernhalten. Lustig. Wir gönnten uns nur Flat Whites, daran waren die Insekten nicht so interessiert.

Viel zu schnell verging die Zeit. Wir fuhren zum Flughafen, gaben den Mietwagen zurück. Ohne Verzögerung nahmen wir unsere Plätze im Flugzeug ein. Wir flogen mit der Zeit, draußen war es dunkel, auch als wir in Dubai landeten. Fünf Stunden später ging es weiter. Dieses Mal hatten wir nur Sitzplätze im Economy-Bereich, doch neben Tom und mir war jeweils ein Platz frei. Schlafen konnte ich auch auf diesem Flug nicht, doch es gab genug Filme.

13:00 Uhr, Frankfurt am Main: Sehr lange mussten wir auf unsere Koffer warten. Den geplanten ICE erreichten wir somit nicht, und das, obwohl dieser deutlich Verspätung hatte. Und da war es wieder das Chaos bei der Deutschen Bahn. Der nächste ICE sollte anderthalb Stunden fahren, verspätete sich ebenfalls und kam so in die Nähe eines weiteren ICE, der fuhr jedoch für uns nur bis Mannheim. Einen Anschlusszug gab es nicht. Also nutzten wir den früheren ICE. Gut zweieinhalb Stunden später als geplant stiegen wir zu Hause aus dem Taxi. Koffer in die Ecke, schnell noch die Katzen begrüßt und dann ab ins eigene Bett.

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